Col Du Galibier – Der Majestätische

Nachdem wir den Galibier letztes Jahr aus Neugierde schon mal mit dem Auto (!) vorerkundet haben (-> welch ein erbärmliches Gefühl oben auf dem Pass, wenn man ihn motorisiert erreicht), sollte er 2016 nun als Dritter der VIER (Tourmalet, Ventoux, Galbilier, Alpe d’Huez) erobert werden.

Das Ganze in ehrlicher Manier, d.h. von Saint Michel de Maurienne in Kombination mit dem vorgelagerten Col du Télégraphe. Auf den 35 Kilometern summieren sich so 2.000 Höhenmeter und man schraubt sich aus dem Tal bis auf hochalpine 2.642 m.

Los ging’s wie gesagt in Saint Michel; ein so erbarmungslos hässlicher Ort, dass wir uns entschieden, in Saint Julien de Maurienne (tatsächlich auch nicht viel hübscher) zu übernachten. Naja, zumindest gab es hier eine kleine Auswahl an Restaurants zur Stärkung und eine kleine 50er Jahre Hotelbar zur Schwächung für die anstehende Etappe. 😉

Der (unaufgeregte aber vergleichsweise teure) Radverleih / rentmybike.fr direkt im Ortszentrum von St. Michel ist nach einer knapp 15-minütiger Anfahrt erreicht.

Es ist frisch, der Himmel zeigt sich noch unbestimmt, aber die Wettervorhersage hat uns für den Gipfel klare Sicht bei 3 Grad versprochen. Und gerade solch eine Sicht ist das ultimative Doping beim Galibier.

Die Räder sind flink angepasst und der Ort ist noch schneller über eine kleine Brücke verlassen. Es geht direkt in einen recht konstanten, 12 Kilometer langen Anstieg, der zumeist durch den Wald führt, dem Col Du Télégraphe auf 1.566 m entgegen. Das Arc (und nicht etwa Maurienne) Tal zeigt sich vereinzelt durch den Wald und ich staune immer wieder, wie schnell man doch auf dem Rad Höhe gewinnt; auch wenn sich die gestrigen Pernods nun bitterlich rächen. Aber alors, wir sind in Frankreich.

Die Aussicht hält sich hier hinsichtlich der Dramatik noch in Grenzen und so kann man sich in Ruhe einfahren und versuchen, seinen Rhythmus für das noch Anstehende zu finden. Genauso unspektakulär gibt sich dann auch der Télégraphe, der in einer Linkskurve auftaucht; die Beine kurz ausgeschüttelt, den Himmel geprüft (ah die Wolken öffnen sich), ein Foto gemacht und es geht zügig weiter.

 

Und wie es nun weiter geht!

Die nächsten 5 Kilometer gehen zwar gemächlich in Wellen leicht hoch und runter aber nun öffnet sich der Blick und man schaut in das Hochtal in dem der Skiort Valloire liegt.

Wir sind in Frankreich, das bedeutet, die romantischen Vorstellungen eines Heidi-idyllischen Weilers können getrost zur Seite geschoben werden – aber da es Ende September ist, liegt der Ort touristisch verwaist dar und gehört nur den Handwerkern, die bereits an allen Ecken für die anstehende Wintersaison werkeln.

Wir sparen uns den Kaffeestop und streben weiter voran; die Steigung bleibt bis auf einige kurze Ausnahmen moderat und ich beginne zu rechnen: hm, wenn das noch weiter so flach bleibt, wie kommen dann die Höhenmeter zu Stande? Das ist, wie sich auch zeigen wird, eine recht einfache Rechnung: man packt sie einfach komprimierter ans Ende. 🙂

Auf der kleinen Straße herrscht null Verkehr, die Sonne hat die Wolken ganz verdrängt und so man hat das ganze Panorama um sich; und vor lauter Glotzen und Staunen kann von Rhythmus keine Rede sein. Und so fordert auch dieser eigentlich moderate Teil ebenfalls seinen Tribut.

Ca. 10 Kilometer nach Valloire ändert sich dann der Charakter der Strecke nochmal –  wir sind nun auf ca. 2.000 m und mit der Steigung wird es jetzt bitterer ernst – keine Spur mehr von Flachstücken, lockeres Kurbeln ist nicht mehr und das durch Kraft auszugleichen geht nicht – die scheine ich wohl irgendwo unterwegs schon liegengelassen zu haben. Aber mit jeder Richtungswechsel in den Serpentinen zeigt einem eine neue atemberaubende Kulisse. Und Eva ist -mühelos kurbelnd- meilenweit voraus.

Aber wo ist denn nun der Pass?

Oh Gott – da etwa? Noch so hoch? Noch so steil? Ein kurzer Blick auf die Meilensteine. Jetzt fängt es an so richtig zu zeeeehren – aber irgendwie hat man das ja eigentlich auch erwartet. Deswegen ist man ja hier.

Nach einer gefühlten Ewigkeit geht es vor einem Tunnel nochmal scharf nach links auf die Passstrasse. Ich hebe den Kopf. Was? Das das da oben? Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Ist aber so und so kämpfe ich mich unendlich langsam auf diesem letzten Steilstück dem Ziel entgegen. Selbst für meinen Pseudo-Endspurt-Running-Gag 😉 fehlt mir die  Kraft.

Aber wir sind oben! Wir haben es geschafft! Es hat sich gelohnt! Und wie!

 

Ein absolutes Muß bei guten Sichtbedingungen!

Meines Erachtens härter als der Ventoux (obwohl ich auch dort im Waldstück genügend geflucht habe) und bedeutend härter als der Tourmalet.

Jetzt bin ich gespannt auf Alpe d’Huez; da bin ich bislang nur hoch gelaufen. Und das zählt nicht.

 

Ein Gedanke zu “Col Du Galibier – Der Majestätische

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